Gonagi - Musik-Blog

Trend: Mehr Dynamik in der Musik gefordert

Mittwoch Juni 13th 2007, 12:47
Abgelegt unter: Trends

PlattenspielerWie Spiegel Online berichtet, hat die London Times kürzlich die heute gängigen tontechnischen Verfahren bei der Aufnahme von Tonträgern kritisiert. Auch ein Techniker von Sony-Music griff in diesem Zusammenhang scheinbar die (nicht wirklich neue) Thematik auf und richtete sich in einem offenen Brief an die Musikindustrie.

Worum geht es: Durch sogenannte “Dynamikbegrenzer” in der Studiotechnik werden Aufnahmen heute oft stark in ihrer Dynamik (also in den Unterschieden zwischen Laut und Leise) begrenzt: Leise Stellen werden im Pegel angehoben, laute Stellen abgesenkt. Richtig dosiert läßt dies die Musik homogen, quasi wie aus einem “Stück” klingen. Dabei erhöht sich geichzeitig auch die subjektiv wahrgenommene Lautstärke.

Macht sie platt…

Nun ist es im Laufe der Zeit jedoch zur schlechten Gewohnheit geworden, die Musik geradezu “glattzubügeln”. Da von Natur aus scheinbar diejenigen akustischen Signale am meisten Aufmerksamkeit erzeugen, welche wir als gleichmäßig und damit subjektiv als laut empfinden, ist in der Musikindustrie ein regelrechter Wettstreit entbrannt: Um im Radio und Fernsehen bereits beim ersten Hören aufzufallen, muss ein Song nicht nur besser ( im Idealfall) sondern eben auch “lauter” sein als die Konkurrenz.

Das Ohr wird durch solche technischen Tricks geradezu zum Hinhören gezwungen. Der extreme Einsatz solcher Techniken nimmt der Musik jedoch leider auch viel von ihrer Lebendigkeit und Ausdrucksweise. Zudem scheint sich bei Dauerbeschallung ein gewisser negativer Einfluss auf unsere Psyche einzustellen: Wir fühlen uns unwohl und gereizt. Neben nostalgischerer Verklärung übrigens ein Grund, warum wir Musik “von früher” gerne als ausdrucksstärker und gehaltvoller ansehen.

Plastic Fantastic

Wer es sich nun leichtmacht und denkt “Klar, deswegen hör ich auch keine Plastikmusik” sollte sich mal diese Liste stark limitierter CDs des “Guardian” zu Gemüte führen. Namen durchaus respektabler Künstler tauchen dort auf von denen zumindest ich es vom akustischen Eindruck her nicht unbedingt sofort vermutet hätte. Das Problem dürfte weniger der Einsatz des Effekts im Einzelfall als gewolltes Stilmittel sein, sondern vielmehr dessen massenhafte Verwendung für Musik, die davon gerade nicht profitiert. Sind wir wirklich schon so abgestumpft? Duchaus gute Platten also, die jedoch wahrscheinlich noch viel besser klingen würden, wären sie nicht so glattpoliert. (Photo: Photocase.de)


1 Kommentar »
  1. Vollkommen richtig! Und interessant einen Artikel zu diesem Thema zu lesen der vor “Death Magnetic” geschrieben wurde (Ich bin noch nicht so lange im Thema). Die verlinkte Liste überrascht mich eigentlich nicht besonders.

    Kommentar von Michael — 23. August 2009 @ 22:23

TrackBack URI

Einen Kommentar hinterlassen

Der allererste Kommentar oder Trackback muss erst von uns freigeschaltet werden. Danach erscheinen Eure Posts direkt.

(notwendig)

(notwendig)


 
Suche





Copyright © gonagi.de, All Rights Reserved